Europameisterschaft 420er in Athen

Gut vorbereitet zur Segel-Europameisterschaft nach Athen

Am Wochenende vom 14. Bis 16.07.2017 haben vier Schweriner Segelteams gemeinsam mit ihrem Trainer Ekkehard Schulz die Reise nach Athen (Griechenland) angetreten, um sich dort vom 22. bis 30. Juli 2017 bei der Europameisterschaft der vorolympischen 420er Bootsklasse mit der europäischen Konkurrenz zu messen. Dabei gehen in der Damen-Wertung mit Sofie Schöne (SSV)/Line Thielemann (SYC) sowie Anna Rieckhof/Charlotte Sperling (beide SSV) 2 Mannschaften an den Start. Mika Trosien (SYC)/Johannes Erichsen (SSV) werden die deutschen Farben in der Open-Wertung vertreten. Henning Kröplin (SSV)/Jonas Porthun (SVTh) starten in der U17-Wertung.

Die Tage davor werden die Segler nutzen, sich in Trainingseinheiten vor Ort mit dem für sie unbekannten Segelrevier und den dortigen Wind-, Wellen- und Strömungsverhältnissen vertraut zu machen.

Seit der Ausscheidungsregatta für die Europameisterschaft Ende Mai haben sich die Segler intensiv auf diesen Höhepunkt der Saison vorbereitet. So standen neben dem fast täglichen Training große Regatten mit international stark vertretenen Teilnehmerfeldern, wie die Young Europeans Sailing-Regatta, die Kieler oder Warnemünder Woche auf dem Programm.

Bei der Young Europeans Sailing, der Kieler Woche des Nachwuchses, die jährlich über die Pfingsttage in der Strander Bucht stattfindet, konnten sich alle 4 Teams im vorderen Drittel platzieren. Von nahezu 100 Startern allein in der 420er Bootsklasse sicherten sich Schöne/Thielemann einen beachtlichen 6. Platz. Kröplin/Porthun kamen im Ergebnis auf Rang 11 und verfehlten damit nur knapp die TOP 10.

Bei der Kieler Woche, die in diesem Jahr mit Starkwindverhältnissen aufwartete, waren vor allem kräftezehrendes Durchhalten der Segler und auch des Materials gefragt. In dem international hochkarätig besetzen Teilnehmerfeld der 420er mit 135 Booten errangen Kröplin/Porthun einen guten 26. Platz. Schöne/Thielemann kamen auf Platz 36.

Die Warnemünder Woche zeigte sich dagegen mit leichten Windverhältnissen. Das Team Schöne/Thielemann schaffte es diesmal mit einem hervorragenden 2. Platz aufs Treppchen. Trosien/Erichsen sicherten sich Platz 12.

Nachfolgend berichten die SSV Mitglieder von ihren Erlebnissen während der Trainingstage und bei der Europameisterschaft.
 

Abreise

1. Tag (Anreise):

Um 13:00 Uhr ging unser Flieger. Es verlief alles nach Plan und die nicht ganz so luxuriöse Ryan Air brachte uns sicher nach Athen. Dort erwartete uns schon Herr Trosien mit dem Shuttle;)

Wir wurden zwar nicht mit Sonne empfangen aber trotzdem mit rund 30 Grad. Zuerst wurden Henning und Jonas am U17 Hotel abgegeben und dann konnten auch wir endlich in unser Hotel.

Den Abend verbrachten wir mit einer kurzen Einweisung in den jeweiligen Jungs und Mädchen Teams und dem anschließenden, gemeinsamen Abendbuffet.

Nun sind wir schon alle sehr gespannt auf den morgigen ersten Trainingstag!

Blick von der Dachterrasse

2. Tag:

Der erste Trainingstag startete um 8:00 Uhr mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet. Danach haben wir uns alle unten in der Lobby getroffen und den Tagesablauf besprochen. Zu Fuß sind wir um 9:00 Uhr vom Metropolitan zum Hafen gegangen und haben dort unsere Boote abgeladen und aufgebaut.

Morgens hat es noch geregnet und es war sehr bewölkt, aber mittags sind die Wolken aufgerissen und es wurde plötzlich sehr heiß. Obwohl heute eigentlich der kühlste Tag der beiden Wochen sein sollte, war die Hitze kaum auszuhalten.

Gegen 1 Uhr gab es dann die Lunch-Pakete, welche die Trainer zuvor im Hotel organisiert haben. Zum Umziehen haben sie uns ihre Autos zur Verfügung gestellt, denn um 13:30 Uhr sind wir raus gefahren.

Heute ging es nur darum, den richtigen Trimm zu finden und das Revier kennenzulernen. Erst war ziemlich wenig Wind, doch dann zog eine Gewitterfront über den Himmel und wir mussten die Trainingseinheit abbrechen. Als wir an Land waren hat der Wind deutlich zugenommen und es fing wieder leicht an zu regnen.

Im Hotel angekommen, sind wir erst einmal im Pool auf der Dachterrasse baden gegangen. Von dort aus hat man einen tollen Blick über Athen. Ab 19:30 Uhr gab es dann Abendbrot, wieder mit einem riesigem Buffet. Im Anschluss gab es dann noch eine kurze Teambesprechung und Belehrung.

Wir freuen uns auf die kommende Zeit in Athen.

 

3. Tag:

Wie am Tag zuvor gab es um 8 Uhr Frühstück. Danach packten wir unsere Segelsachen und fuhren in den Hafen. Dort besprachen wir den Inhalt der Wasserarbeit und legten um 10:30 Uhr ab.

Am Vormittag trainierte jedes Team (Open, Damen, U17) bei 15 bis 20 Knoten für sich. Zum Mittag fuhren wir in den Hafen. Dort aßen wir unsere Lunch-Pakete, die wir vom Hotel bekamen. Nach etwa einer Stunde ging es dann wieder aufs Wasser. Wir segelten nun alle gemeinsam Rennen. Gegen 18:00 Uhr legten wir im Hafen an. Wir spülten unsere Boote ab, checkten das Material und fuhren zum Hotel.

Um 19:30 Uhr werteten wir mit Videos den Segeltag aus. Im Anschluss gab es Abendessen. Der 3. Trainingstag endete dann nach ein wenig Erholung im Pool.

 

4. Tag:

Der dritte Trainingstag begann mit einer nachgeholten Besprechung in deren Anschluss wir dann zum Hafen gingen, um eine lange Trainingseinheit auf dem Mittelmeer zu absolvieren, in deren Vordergrund wieder die Fahrtechnik und Manövertechnik bei gleich schwierigen Bedingungen wie am Vortag stand. Im zweite Teil fuhren wir wieder Rennen gegen die anderen Trainingsgruppen aus Team Deutschland.

 

5. Tag:

Der heutige Tag begann eine halbe Stunde später als sonst um 8:30 Uhr mit dem Frühstück. Die Erkenntnisse der letzten Tage haben ergeben, dass nachmittags der beste Wind ist, daher haben wir alles nach hinten verschoben.

Nach einer Vorbesprechung sind wir dann um 11:30 Uhr rausgefahren. Als erstes haben die Gruppen einzeln trainiert, am Ende sind wir wieder alle zusammen Kurse gefahren.

Nachdem wir die Boote geputzt und in Ordnung gemacht haben, ging es zurück ins Hotel, wo wir uns im Pool abkühlten oder einfach nur das schöne Wetter genossen.





6. Tag:

Heute sind wir um 8:30 Uhr mit dem Bus zur Akropolis aufgebrochen. Dort angekommen hatten wir einen schweren, kräfteraubenden Aufstieg vor uns. Dieser lohnte sich jedoch, denn es gab eine Menge zu sehen.

Die alten Bauten, der Ausblick über ganz Athen und auch die eine Schildkröte, die wir angetroffen haben, haben den Ausflug spannend gemacht.

Nach unserem freien Vormittag sind wir dann noch für 3 Stunden trainieren gegangen und haben einige Wettfahrten bei windigen Verhältnissen gemacht.

 

7. Tag:

Heute startete der Tag erst 10 Uhr. Nach der Besprechung blieb uns noch etwas Zeit, um uns am Pool zu entspannen. Da zur EM eh ganz andere Bedingungen sein werden, als sie es heute waren, beschlossen die Trainer, den Tag für unsere Boote zu nutzen. Weil es wie jeden Tag so extrem warm war, sind wir mit unserem Material unter eine Brücke in den Schatten gegangen und haben dort an unseren Schiffen gebastelt. Wir verbrachten vier Stunden damit, unsere Boote für die Vermessung vorzubereiten und noch einiges zu reparieren und auszuwechseln.

Als wir dann gegen 16 Uhr fertig waren, ist Herr Schulz mit uns auf das Mittelmeer zum Baden gefahren. Nach einer Menge Spaß sind wir direkt im Anschluss in dem Pool des Hotels schwimmen gegangen und haben dort den Tag ausklingen lassen.

 

8. Tag:

Nachdem wir gestern alles vorbereitet hatten, waren wir heute pünktlich um 9:00 Uhr mit der Vermessung dran. Da alles schnell gehen musste war diese ziemlich stressig. Jedes Boot durchlief verschiedene Stationen in einer Halle. Als erstes wurden die Messmarken und Stopper überprüft. Dann wurden die Segel auf Größe und Form kontrolliert. Bei der dritten Station musste das Boot komplett leer sein, da dort der Rumpf gewogen wurde. Wog dieser nicht 80 kg oder mehr musste am Heck Blei angebaut werden. Auch Schwert und Ruder wurden mit Schablonen auf Größe, Form und Dicke überprüft. An der letzten Station wurden noch Mast, Groß- und Spibaum vermessen. Wenn alles in Ordnung war oder man die Fehler behoben hatte, bekam jedes Teil einen Aufkleber und die Unterschrift des Vermessers.

Anschließend machten wir die Boote wieder segelfertig. In einer zweistündigen Einheit auf dem Wasser überprüften wir dann ob wir richtig aufgebaut hatten und gewöhnten uns an den leichten Wind, der uns voraussichtlich auch bei der Regatta erwartet.

Erst um 19:30 Uhr waren wir zurück im Hotel, wo wir uns nach einem langen, heißen Tag beim Abendessen stärkten.

 

9. Tag:

Der letzte Trainingstag vor der Europameisterschaft begann wieder mit einer Besprechung. Danach gingen wir in den Hafen und fuhren um zwölf aufs Wasser um noch einmal bei wenig Wind zu trainieren.

Um vierzehn Uhr waren wir dann pünktlich zum Praktisrace am Start um uns mit der Wettfahrtleitung, dem Kurs und der Jury vertraut zu machen. Leider wurde das Praktisrace aus Windmangel abgebrochen und wir fuhren in den Hafen zurück um uns auf die Eröffnung vorzubereiten.

Die Eröffnung begann mit einer Stadtrundfahrt für den jüngsten Teilnehmer der jeweiligen Nation der dann mit der Nationalflagge durch die Stadt gefahren wurde. Danach trafen sich alle Teams vor dem Platz vor den Kulturzentrum, wo diese stattfinden sollte und zogen dann von viel Applaus begleitet auf dem Platz ein und stellten sich dort auf. Danach würden viele Reden auf griechisch (mit schlechter Übersetzung) gehalten und danach gab es dann auf der Dachterrasse des Kulturzentrums von Athen, ein sehr leckeres und reichhaltiges Barbecue, dass wir allerdings auf dem Boden sitzend verspeisen mussten. Der Tag endete mit einem wunderschönen Blick über das nächtliche Athen.

 

10. Tag:

Am ersten Wettfahrttag war der Start für 12:00 Uhr angesetzt. Der Ablauf am Morgen war daher wie an den Trainingstagen: 8:30 Uhr Frühstück, 9:15 Uhr Vorbesprechung im Hotel und dann Abmarsch zum Hafen.

Dort angekommen war die Aussicht aber nicht gut: Es war kein Wind. Daher war erst einmal Warten an Land angesagt. Da man es in der berühenden Hitze kaum aushalten konnte, zogen wir uns in die klimatisierte Vermessungshalle zurück, wo wir uns mit Musik hören, lesen oder Karten spielen die Zeit vertrieben.

Um 14:00 Uhr war es aber soweit: Als erstes wurde den Jungs die Erlaubnis zum Auslaufen gegeben, danach waren die Mädchen und U17 an der Reihe. Da immer noch sehr wenig Wind war, wurde auf dem Wasser wieder Startverschiebung gesetzt und wir nutzten die Zeit, um uns an die schwierigen Bedingungen zu gewöhnen. Als es endlich losging, merkte man schon am Startprozedere, dass hier auf einem höheren Niveau gesegelt wird als zu Hause. Es war sehr schwer, sich zu behaupten und eine gute Startanlage zu bekommen. Leider blieb auch unser Team nicht von Frühstarts verschont. Das Segeln an sich war auch sehr anspruchsvoll, da der wenige Wind und die kappelige Welle sehr schwierig zu meistern waren.

Die Ergebnisse waren den Bedingungen zufolge auch nicht ganz so, wie es sich die meisten vorgestellt haben, aber wir haben noch 10 Wettfahrten vor uns und daher ist noch alles drin.

Ergebnisse:
Mika/Johannes: 65. (BFD, 23)
Sofie/Line: 4. (6, 6)
Anna/Lotti: 46. (53, 31)
Henning/Jonas: 28. (28, 26)

 

11. Tag:

Für heute war der Start erst zu 14:00 Uhr angesetzt, da sich erst zu diesem Zeitpunkt Thermik aufbauen konnte.

Um 13:00 Uhr gab es dann im Hafen ein riesiges Gerangel an den Check-In Listen und auch das Ablegen gestaltete sich ziemlich stressig. Viel Zeit zum Einsegeln blieb uns nicht, da pünktlich gestartet wurde.

Bei gutem Trapezwind aber einer schwierigen Welle haben wir unsere zwei Wettfahrten für heute geschafft.

Ergebnisse:
Mika/Johannes: 65. (BFD, 23, 30, 32)
Sofie/Line: 9. (6, 6, 28, 17)
Anna/Lotti: 44. (53, 31, 40, 40)
Henning/Jonas: 24. (28, 26, 20, 11)

 

12. Tag:

Heute durften wir eine halbe Stunde länger als gestern schlafen, denn das Frühstück begann 9:30 Uhr, worauf um 10:30 Uhr die tägliche Teambesprechung folgte.

Wir gingen um 11 Uhr vom Hotel los zum Hafen, wo wir feststellen mussten, dass deutlich mehr Wind war, als es die Vorhersagen prognostiziert haben.

Als wir so gegen 16 Uhr wieder vom Wasser kamen, haben wir an Land unsere Boote abgespült und gecheckt, ob bei den stürmischen Bedingungen alles unbeschädigt geblieben ist.

Ergebnisse:
Mika/Johannes: 62. (BFD, 23, 30, 32, 29, 20)
Sofie/Line: 11. (6, 6, 28, 17, 20, 20)
Anna/Lotti: 46. (53, 31, 40, 40, 45, 43)
Henning/Jonas: 16. (28, 26, 20, 11, 6, 17)

 

13. Tag:

Auch heute war der erste Start um 14:00 Uhr. Der Wind war deutlich schwächer als gestern, die Welle jedoch kaum. Zusätzlich kam der Strom mit 20 Metern pro Minute aus Windrichtung.

Da wir erst gegen 13:00 Uhr ablegen durften, blieb uns wenig Zeit zum Einsegeln. Wir versuchten uns an die Bedingungen zu gewöhnen, den passenden Trimm zu finden und mit ein paar Wenden und Halsen Manöversicherheit zu gewinnen.

Wie die Tage zuvor brachten wir die zwei Rennen zügig zu Ende. Die Bedingungen lagen dabei nicht jedem, trotzdem verbesserten sich einige der Schweriner 420er-Segler.

Ergebnisse:
Mika/Johannes: 59. (BFD, 23, 30, 32, 29, 20, 16, 15)
Sofie/Line: 7. (6, 6, 28, 17, 20, 20, 13, 2)
Anna/Lotti: 46. (53, 31, 40, 40, 45, 43, 42, 48)
Henning/Jonas: 22. (28, 26, 20, 11, 6, 17, 22, 31)

 

Letzter Tag:

Für den letzten Wettfahrttag war der Start eine Stunde früher um 13:00 Uhr angesetzt, da 16:30 Uhr letzte Startmöglichkeit war.

Als wir gegen 12:00 Uhr rausfuhren, stellten wir fest, dass heute sehr schwierige Bedingungen werden würden. Wir hatten Nordwind, er kam also von Land. Das sorgte für bis zu 50°-Dreher und für Wind zwischen 5 und 15 Knoten. Die Wettfahrtleitung hatte Probleme, den Kurs optimal hinzulegen und durch die starken Dreher wurde aus einem Halbwindschenkel eine Vorwindstrecke und umgekehrt.

Da der Wettfahrtleiter auf dem Kurs der Damen und U17 länger gewartet hatte als bei den Männern, wurde bei ihnen das zweite Rennen bei einer gleichmäßigeren Seebrise gesegelt, während die Jungs beide Wettfahrten bei dem schwierigen Nordwind absolvieren mussten.

Wieder im Hafen angekommen, hieß es: Boote abspritzen, sauber machen, trocknen lassen und verladen.

Um 20:00 Uhr begann die Siegerehrung und danach gab es ein Abschiedsbuffet. Sieger der Europameisterschaft war bei den Männern Griechenland, bei den Frauen Spanien und in U17 Italien.

Auch wenn einige von uns nicht die Ergebnisse einfahren konnten, die sie sich gewünscht haben, war es für uns alle eine tolle Erfahrung und eine super Veranstaltung, bei der wir viel gelernt haben.

Ergebnisse:
Mika/Johannes: 51. ((BFD), 23, 30, 32, 29, 20, 16, 15, 6, 23, 13, 4)
Sofie/Line: 9. (6, 6, 28, 17, 20, 20, 13, 2, (31), 12, 31, 2)
Anna/Lotti: 46. ((53), 31, 40, 40, 45, 43, 42, 48, 39, 25, 43, 36)
Henning/Jonas: 22. (28, 26, 20, 11, 6, 17, 22, 31, 19, 25, 21, (32))

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