"Anderen gegenüber fair bleiben" zum Bericht in der SVZ vom 12.10.2009

In der SVZ hat es in den letzten Wochen in Abständen Berichte und Leserbriefe zur Parkplatzsituation des Schweriner Segler-Vereins gegeben. Am 12.10.2009 hat das Verkehrsministerium erstmals öffentlich mit einer Presseerklärung auf einen Leserbrief des Herrn Prof. Dr. Sollberg in der SVZ reagiert. Herrn Prof. Dr. Sollberg wurde vom Ministerium nur die Erwähnung der halben Wahrheit vorgehalten. Dieser Vorhalt läßt sich leider auf die Erklärung des Ministeriums anwenden. Ich habe den folgenden Text deshalb heute an die SVZ gegeben und die Sicht des Vereins noch einmal ausführlich dargestellt.

Es ist richtig, dass der Schweriner Segler-Verein durch die Umstände gezwungen ist, gewerblich tätig zu sein bzw. einen kleinen Teil seines Immobilienvermögens (Gaststätte) zu verpachten.

Der Verein ist seit mehr als 100 Jahre an seinem Standort ansässig, er hat 400 Mitglieder, von denen ein großer Teil auch Steuerzahler sind. Das Vereinsgelände ist wie ein Hammergrundstück nur über Landeseigentum erreichbar. Seit mehreren Generationen gab es mit dem Abstellen der Kraftfahrzeuge der Mitglieder am Rande des öffentlichen Geländes nie Probleme. Bis zur Übernahme der landeseigenen Flächen durch den Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) vor einigen Jahren gab es immer einvernehmliche Regelungen mit dem damals zuständigen Kultus-Ministerium. Erst durch die Neuordnung der Flächen im Zuge der BUGA kamen die Probleme auf, die ausschließlich zu Lasten des Schweriner Segler-Vereins gehen. Alle anderen Anlieger haben durchaus eine Verbesserung ihrer Lage erreicht. Bekannter Massen gibt es keinen fussläufigen Nahverkehranschluss im Marstallbereich. Viele Mitglieder bei einem hohen Senioren- und Kinderanteil sind durch den Wohnort bedingt zum Erreichen des Vereins auf ihr oder das Auto der Eltern angewiesen. Bei den Parkplätzen geht es also ausdrücklich nicht um die Gäste, die die Gaststätte des Seglerheims besuchen wollen!

Wie richtig von der Pressesprecherin des Ministeriums festgestellt wurde, betreibt der SSV mit über 60 Kindern und Jugendlichen mit vereinseigenen Booten eine der größten Jugendsegelabteilungen im Mecklenburg-Vorpommern (alleine 39 Opti-Kinder). Im SSV ist das Segelnlernen finanziell für jedes Kind unabhängig von Elterneinkommen möglich. Unterstützt werden auch die zur Zeit beste deutsche Laser-Seglerin Franziska Goltz und ein Bundeskaderteam im 49er. Dies alles kann es naturgemäß nicht umsonst geben. Der Verein unterstützt deshalb in jedem Jahr seine Jugendabteilung mit fast € 90.000,00, die von den Mitgliedern und auch aus den erwirtschafteten Erträgen aufgebracht werden müssen. Im Ergebnis bleibt am Jahresende, wie es sich für einen gemeinnützigen Verein gehört, nicht mehr viel übrig.

Weiter sei daran erinnert, dass der Verein in den Jahren 1998/99 sein einsturzgefährdetes Vereinshaus völlig neu aufbauen musste. Landesrechtliche Vorschriften haben den Verein gezwungen so zu bauen, wie er dann gebaut hat. Für den Vereinsbedarf wären „mehrere Nummern kleiner“ vollkommen ausreichend gewesen. Land und Stadt haben dagegen großen Wert auf die Neuerstehung der historischen Kulisse des Bootshauses und den öffentlichen Zugang gelegt. Das Vereinsgelände des SSV ist als Einziges am See für jedermann frei zugänglich. Diese Notwendigkeiten belasten den Verein jedoch für Jahrzehnte mit einer jährlichen Tilgungsrate von € 30.000,00 und mit entsprechenden Zinszahlungen, die der Verein neben den erheblichen Betriebskosten auch aus seinen wirtschaftlichen Aktivitäten aufbringen muss. Das ganze Unterfangen wird von einem ehrenamtlichen Vorstand – bei persönlicher Haftung – bewältigt. Wie wir wissen, wird es Vereinsmitglieder geben, die nicht mehr bereit sein werden, für jedes Wochenende € 24,00 Stellplatzgebühr zu bezahlen. Die dann einsetzende Abwanderungsbewegung zu anderen Bootsliegeplätzen wird unseren Verein in eine Situation bringen, die die Rückzahlung der Baukredite in Frage stellen könnte.

All dieses und noch viele weitere Details sind der Landesregierung über mehrere Jahre hinweg umfassend dargelegt worden. Wir hätten auch überhaupt kein Problem damit, durch Einsichtnahme in unsere Bücher den Nachweis über die finanzielle Lage des Vereins zu führen.

Jeder EURO, den der Verein in Zukunft für die Anmietung von Parkplätzen aufbringen muss, fehlt dem Verein in seiner Jugendarbeit und bei der Durchführung von Sportveranstaltungen. Jeden EURO den der Verein in Zukunft an das Land zahlen muss, wird unmittelbar den Etat der Jugendabteilung schmälern und das in einer Situation, in der ohnehin die öffentliche Förderung des Jugendsportes drastisch zurückgefahren wird.

Eine Landesregierung, die so mit einem Verein und seinem ehrenamtlichen Vorstand umspringt, darf sich in Zukunft über Wahlergebnisse nicht mehr wundern und erntet bei den Mitgliedern anderer Vereine und Verbände – aktuell am letzten Wochenende auch aus anderen Bundesländern - nur Kopfschütteln. Besonders verwerflich empfindet es der Verein, dass das eigene wirtschaftliche Bemühen zum Überleben mit der ministeriellen Presseerklärung in Kenntnis der Verpflichtungen des Vereins in Misskredit gebracht wird und damit gleichzeitig weitere Neidreaktionen provoziert werden.

Der Verein zeigt sich in der Sache so hartnäckig, weil er auch im Interesse anderer gemeinnütziger Vereine sich gegen die fortschreitende Kommerzialisierung öffentlicher Dienstleistung zur Wehr setzen will. Es kann nicht sein, dass der Bürger einmal als Steuer- und dann noch als Gebührenzahler ohne ordnungspolitischen Hindergrund zur Kasse gebeten wird. Hier müssen grundsätzliche politische Entscheidungen getroffen werden, ob und in welcher Weise bürgerliches Engagement im Sport und der Freizeitgestaltung gefördert oder behindert werden soll.

Die Mitglieder des Schweriner Segler-Vereins erwarten von der Landesregierung, dass sie in der Sache nachgibt und einfach nur den Zustand vor der Buga wieder herstellt. Mit diesem Zustand haben schließlich alle Beteiligten über Jahrzehnte gut leben können.

Bernhard Kaatz

Schatzmeister
Schweriner Segler-Vereins von 1894 e.V.

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